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Wildbienen - die fleißige Verwandtschaft der Honigbiene

Vortrag des NABU-Referent und Wildbienen-Experte Martin Klatt

 

Wildbienen kann man nicht mit Honigbienen vergleichen“
 
Wildbienen-Kenner Martin Klatt berichtete bei einer Veranstaltung des NABU Fellbach zusammen mit den Stadtwerken Fellbach über die Vielfalt der Bienenverwandtschaft und stellte effektive Schutzmaßnahmen für viele Arten vor. Grünflächen sollten zu Blühflächen werden, so sein Appell.
„Wildbienen sind anders“, schärft Martin Klatt seiner Zuhörerschaft gleich zu Beginn ein. „Und die meisten von ihnen sind sehr speziell!“ Der NABU-Referent muss es wissen, denn er ist ein echter Experte, auch wenn er sich gegen die etwas inflationäre Verwendung dieses Begriffes wehrt. Der studierte Biologe beschäftigt sich schließlich schon seit vielen Jahren mit Wildbienen und konsequenterweise fertigte er auch seine Diplomarbeit an der Uni Freiburg unter dem Titel „Das Vorkommen von Wildbienen an Ruderalvegatation“ an. Bei rund 580 Wildbienen-Arten, die in Mitteleuropa durch die Landschaft schwirren, ist es auch kein Wunder, dass es in dieser Artengruppe viele Besonderheiten gibt: Bienen, die Pollen mit den Beinen transportieren, andere, die dafür Härchen am Bauch haben, Arten, die ihre Eier im Boden ablegen - übrigens die meisten -oder solche, die dafür morsches Holz brauchen, andere wiederum ausgediente Schneckenhäuser. Viele von ihnen sind hoch spezialisiert auf nur eine Pflanzenart, deren Pollen sie ausschließlich sammeln und haben deshalb so komplizierte Namen wie Zaunwicken-Sandbiene oder Glockenblumen-Scherenbiene haben. „Immerhin sind das schon mal deutsche Namen“, bemerkt Klatt, denn bis vor Kurzem hätten viele Arten nur wissenschaftliche Namen mit lateinischen und griechischen Bezeichnungen gehabt. „So kann nun jeder die Namen einigermaßen nachvollziehen, auch wenn sie lang und sperrig sind.“ Die Namensgebungen würden eben gut die vielen Besonderheiten im Leben der mannigfaltigen Arten widerspiegeln.
Aber alle Wildbienen haben auch etwas gemeinsam, was sie von der Honigbiene, die ja genau genommen ein Nutztier unter der Obhut der Imker ist, unterscheidet: Keine von ihnen macht Honig. Und alle diese wilden Verwandten der domestizierten Honigbiene leben normalerweise nur ein Jahr. Nur mit den ganz wenigen Ausnahmen bei Hummeln und Wespen bilden sie auch keine Staaten. „Das ist die Einzigartigkeit der Honigbiene, die deswegen auch Vorräte für den Winter sammelt.“ Den wiederum die Menschen in Form von Honig den fleißigen Sammlern abnehmen. Wildbienen dagegen sammeln nichts anderes als Pollen. Sie erfüllen aufgrund ihrer enormen Bestäubungsleistung eine zentrale Rolle im Naturhaushalt. Aber sie sind daher auch existenziell auf das Vorhandensein ihrer jeweiligen Nahrungspflanzen angewiesen - für sich selbst und für ihren Nachwuchs, für den übrigens stets ein Weibchen alleine sorgen muss. „Das macht das Überleben zu einer ständigen Herausforderung“, so Klatt. Und im Normalfall sieht die Mutter ihre Kinder nie. Sind die Brutkammern fertig gebaut, mit Pollenvorrat bestückt und die Eier gelegt, dann stirbt die Biene. Etwa ein Jahr später schlüpft dann der Nachwuchs und der Zyklus beginnt von vorne. 
 
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„Bunt allein reicht nicht“
Der gewitzte Referent, gestaltete seinen Vortrag, der vom Fellbacher Naturschutzbund (NABU) zusammen mit den Stadtwerken Fellbach veranstaltet wurde, äußerst lebendig: Klatt ließ eine gebastelte Biene im Raum herumschwirren oder das Publikum Pollen in Form von Tennisbällen sammeln. Außerdem hatte er eine Fülle von Informationsmaterialien dabei und natürlich jede Menge Tipps, was man alles im eigenen Garten Gutes für die wilden Verwandten der Honigbiene tun kann. Ein klassisches „Wildbienenhotel“ allein reiche jedenfalls nicht, auch wenn das laut Martin Klatt schon mal ein guter Anfang sei. „Viel wichtiger ist eine blühende Vielfalt, weil allen Wildbienenarten auf den Blütenpollen angewiesen sind.“ Je mehr verschiedene Pflanzen blühen desto besser. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass viele Arten im Boden brüten und daher einzelne unbewachsene Offenstellen mit Rohboden sehr wertvoll seien. „Es wird oft unterschätzt, welche Strukturen für eine Wildbienenvielfalt notwendig sind.“ So konnte Klatt eindrucksvolle Beispiele vom Daimler-Werk in Rastatt vorweisen. Dort seien innerbetriebliche Grünflächen aus monotonem Rasen so aufgewertet worden, dass sie innerhalb weniger Jahre zu hochkarätigen Wildbienen-Standorten wurden. Über 60 verschiedene Arten konnten daraufhin dort nachgewiesen werden. „Die haben das im Nu angenommen.“ Es wäre also ein Leichtes, öffentliche Grünflächen zu dauerhaften Blühwiesen umzuwandeln und für geeignete Brutstandorte zu sorgen, appellierte Klatt an die Anwesenden. Der NABU will dieses Thema in Fellbach künftig weiter vorantreiben und möchte die Stadt in die Pflicht nehmen, mehr Grünflächen im Stadtgebiet aufzuwerten, so wie das mit der neuen städtischen Grünstrategie ja angedacht sei. „Bunt allein reicht nicht“, schärfte Klatt den interessierten Zuschauern ein und untermalte das mit einigen Praxisbeispielen verschiedener Blühmischungen. Das richtige Saatgut müsse heimisch und mit vielen verschiedenen mehrjährigen Pflanzen sein. „Dann haben viele Wildbienenarten ihre Freude dran - und wir Menschen auch.“
 
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Infos:
Der NABU Fellbach möchte alle Interessierten intensiv über Insekten informieren und engagiert sich in einem neuen Projekt für den Schutz von Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten. Dazu gibt es dieses Jahr eine eigene Vortragsserie. Weitere Informationen auch zu Bezugsquellen von Saatgut für blütenreiche Wiesen, Nisthilfen und mehr sind unter: www.nabu-fellbach.de zu finden. 
 
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