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Giftattacke auf die Tower-Falken

Rätselhafter Tod in Fellbach

 

 Nach dem Tod mehrerer Greifvögel hat der Naturschutzbund Fellbach eine Strafanzeige gestellt. Entdeckt wurde in den Kadavern ein Insektizid, das seit Jahren nicht mehr erhältlich ist – und auch für Menschen gefährlich ist.

Eine mutmaßliche Giftattacke auf die wohl berühmteste Falkenfamilie der Republik löst unter Tierliebhabern blankes Entsetzen aus: Das auf dem Dach des Fellbacher Schwabenlandtowers nistende Wanderfalken-Weibchen Perenelle ist tot, mit der Mutter erlag auch mindestens ein Jungvogel einer offenbar hochtoxischen Chemikalie. „Nach den Obduktionsberichten ist es eindeutig, dass die streng geschützten Vögel vergiftet worden sind“, heißt es beim Fellbacher Naturschutzbund.

 

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In Schockstarre versetzt ist auch die Community, die sich auf der eigens für den Blick in die Kinderstube der Falken eingerichtete Internetseite gebildet hat. Tausende Menschen verfolgten am Monitor, wie die Vogelküken in 107 Meter Höhe aus den Eiern schlüpften, von den Eltern eifrig mit Futter versorgt wurden und schließlich ihre ersten wackeligen Flugversuche unternahmen.

 

Die Piep-Show mit der Falken-Cam stieß auf ungeahnte Resonanz


Die Piep-Show stieß beim Publikum auf ungeahnte Resonanz, in der Brutsaison verzeichnete die Homepage mit der Falken-Cam an manchen Tagen mehr als 10 000 Klicks. Der Naturschutzbund bot Falken-Fans aus nah und fern sogar ornithologische Führungen mit Teleobjektiv und Feldstecher an.


Dass die Falkenmutter den Namen Perenelle erhielt, geht auf einen von der Fellbacher Zeitung vor Jahren veranstalteten Wettbewerb zurück, bei dem Leserinnen und Leser ihre Vorschläge für eine Benennung der Falkenfamilie einreichen konnten. Statt auf Namen wie Tower-Jäger oder Mrs. Insolvenzi fiel die Wahl auf Falco und eben Perenelle. Die ersten beiden Küken wurden seinerzeit auf die Namen Grit und Nushin getauft.

 

Buchstäblich aus dem Himmel auf die Terrasse gefallen


Eine Frau, der das Schicksal der Falken ans Herz gewachsen ist, hatte den örtlichen Naturschutzbund alarmiert, dass mit der als Flugkünstlerin bekannten Falkenmutter etwas nicht stimmen könne. Die in der Nachbarschaft der millionenschweren Bauruine lebende Anwohnerin hatte beobachtet, dass Perenelle von Rabenkrähen angegriffen wurde und im Anschluss buchstäblich vom Himmel auf ihre Terrasse gefallen ist. Das ist schon deshalb ungewöhnlich, weil eine Krähe im Normalfall schnell das Weite sucht, wenn ein Wanderfalke am Horizont auftaucht – auch sie kann schließlich zur Beute des wendigen Raubvogels werden.


Entsprechend besorgt war Friedemann Tewald vom Fellbacher Naturschutzbund vom Anruf der Falkenfreundin. Zu retten war der Vogel nicht mehr. „Schon nach wenigen Minuten war Perenelle tot“, sagt Tewald über den traurigen Fund. Wegen der ungewöhnlichen Umstände entschied der Verein, den toten Vogel zur Untersuchung an die in Fellbach sitzenden Veterinärmediziner des CVUA zu geben. Der erste Obduktionsbefund ergab einen deutlichen Befall mit Darmparasiten. Da die bei wild lebenden Wanderfalken aber der Normalfall sind, wurde eine tiefer gehende toxikologische Untersuchung beantragt – zumal es nur wenige Tage nach dem Tod von Perenelle die Meldung von einem weiteren toten Wanderfalken gab.


Am Fuß des Schwabenlandtowers wurde ein zweiter Kadaver entdeckt


Direkt am Fuß des Schwabenlandtowers barg Herbert Kugel den offenbar bereits seit längerer Zeit liegenden Kadaver eines Jungvogels, auch er wurde zur Untersuchung ins CVUA gebracht. Die Obduktion bestätigte die Befürchtungen der Naturschutzbund-Aktivisten: In beiden Vogelleichen fand sich der Giftstoff Carbofuran, der in Deutschland seit Jahren nicht mehr erhältlich ist.

Bekannt ist das im Jahr 2007 europaweit verbotene Insektizid aber als Vogelkiller – bei ähnlich gelagerten Fällen in Deutschland und der Schweiz kam es offenbar öfter zum Einsatz, um sich unliebsame Beutejäger illegal vom Hals zu schaffen. Der Fellbacher Naturschutzbund hat deshalb eine Strafanzeige bei der Polizei gestellt. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass das hochgiftige Mittel zufällig am Tower ausgelegt wurde, tendiert aus Sicht der Naturschützer gegen Null.


Die Naturschützer halten einen Zufall für ausgeschlossen


Zumal die chemische Verbindung in der Natur vergleichsweise schnell zerfällt und deshalb, anders als bei vielen anderen Umweltgiften, eine Anreicherung über die Nahrungskette praktisch ausgeschlossen sei. „Es scheint offenbar jemanden zu geben, der mit einem illegalen und hochgiftigen Giftstoff hantiert und über große kriminelle Energie verfügt“, heißt es beim Naturschutzbund.


Ein auch für Menschen gefährliches Insektizid


Straftat
Das Töten von streng geschützten Wanderfalken ist kein Kavaliersdelikt, sondern gilt als schwerer Verstoß gegen das Naturschutzgesetz. „Wir sind da im Bereich einer Straftat, die von der Staatsanwaltschaft von Amts wegen verfolgt werden muss“, sagt Frank Rau von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz. Auf den oder die Täter könne eine sehr empfindliche Strafe zukommen. Da Carbofuran in Deutschland nicht erhältlich und schon der Besitz der Substanz strafbar sei, geht er von gezielter Planung und nicht von einer spontanen Aktion aus.


Gefahr
Um Köder für Greifvögel zu präparieren, braucht es aus Sicht der Naturfreunde nicht nur spezielle Fachkenntnis, sondern auch die entsprechende Ausrüstung. Giftig ist das Insektizid Carbofuran nicht nur für Falken, sondern auch für Menschen. Der Naturschutzbund bittet deshalb um Vorsicht: „Fassen Sie keinen toten Greifvogel mit bloßen Händen an. Vermeiden Sie Hautkontakt. Verständigen Sie sofort die Polizei. Seien Sie besonders misstrauisch bei seltsamen Gefiederverfärbungen auch bei Tauben oder Hühnern“, heißt es.
 

Pläne
Trotz des Rückschlags bleiben die Falken-Fans unerschütterlich. „Der Schwabenlandtower bleibt der ideale Brutplatz “, sagt Petra Hübner. In Absprache mit Eigentümer und Architekt soll ein Nistkasten aus Beton auf dem Dach installiert werden, wenn die Bauarbeiten weitergehen. „Der Kasten wurde uns zur Verfügung gestellt“, verrät Friedemann Tewald.


Auf der FalCommunity gibt es ebenfalls einen Bericht zum Tod von Perenelle und ihrem Nachwuchs.
 

Bilder: Friedemann Tewald & Michael Eick

 

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